Was ist eine Weber B Fraktur?

Das obere Sprunggelenk besteht aus zwei Knochen – dem Wadenbein (Fibula) und dem Schienbein (Tibia). Diese beiden Knochen werden durch Bänder gehalten und bilden das Gelenk. Das Band, das das Wadenbein und das Schienbein zusammenhält ist das Syndesmosenband.

Bei der Weber B Fraktur ist das Wadenbein in der Höhe der Syndesmose gebrochen. Die Syndesmose ist in den meisten Fällen verletzt bzw. gerissen. Das Sprunggelenk ist dadurch nicht mehr stabil und in vielen Fällen sind die Bruchstellen verschoben oder verdreht.

Wie wird die Weber B Fraktur therapiert?

Da bei einer Weber B Faktur fast immer die Syndesmose in Mitleidenschaft gezogen ist und die meisten Brüche disloziert sind – sich die Bruchstellen also verschoben oder verdreht haben – steht fast immer einer Operation an.

Im Rahmen dieser Operation wir die Bruchstelle exakt repositioniert und mit einer Schiene aus Titan oder Chirurgenstahl verschraubt und stabilisiert. Ist die Syndesmose gerissen, wird die Schiene durch eine Stellschraube ergänzt, die als Abstandshalter zwischen Schienbein und Wadenbein fungiert. Dieses Verfahren wird Osteosynthese genannt.

In sehr seltenen Fällen – beim nicht dislozierten Brüchen oder einem nicht operationsfähigen Patienten – kann eine Weber B Fraktur auch konservativ ohne Operation behandelt werden.

Der 1. Tag

Weber B Fraktur nach Erstversorgung

Weber B Fraktur nach Erstversorgung

Gerade am ersten Tag ist man natürlich besonders neugierig und möchte möglichst alles zum weiteren Heilungsverlauf und den anstehenden Behandlungen wissen.

Da die Erstversorgung einer Weber B Fraktur aber meist in der Notaufnahme stattfindet, gibt es selten Gesprächspartner, die sich in epischer Breite dazu äußern wollen.

In der Regel wird das Gelenk zunächst geröntgt und dann durch einen Arzt untersucht. Die Diagnose ist schnell gestellt.

Das Gelenk wird dann meist mit einer Schiene und einem Gipsverband versorgt. Man bekommt Thrombosespritzen (Heparin) und eine Empfehlung, wo man sich zu weiteren Behandlung vorstellen kann. Außerdem gibt es Unterarmgehilfen (Krücken).

Am ersten Tag wird in aller Regel nicht operiert. Zum einen, weil die Krankheit nicht lebensbedrohlich ist und so keine Vorrang im OP-Plan hat. Zum anderen ist das Gelenk meist so stark geschwollen, dass man zunächst den Rückgang der Schwellung abwartet. Eine Operation unter Schwellung verschlechtert den Heilungsverlauf und erhöht die Komplikationsrate.

Worüber man sich gleich klar werden muss: Die nächsten 6-8 Wochen werden von eingeschränkter Mobilität bestimmt.

Die erste Woche Weber B

Heparin Spritzen

Heparin Spritzen

Bei mir bestand die erste Woche aus HoKü (Hochlegen und Kühlen) und das ist bei den allermeisten Patienten der Fall. Das Kühlpad wird zum festen Begleiter für die nächste Zeit und auch das Hochlegen des Beines wird noch lange zum Standardprogramm gehören.

Durch die Verletzungen im Bein und die Ruhigstellung ist nämlich der Blutfluss im Bein gestört. Unser Herz sitzt ziemlich hoch im Körper – auch verglichen mit anderen Tieren. Im gesunden Zustand hilft die Muskelkontraktion der Beinmuskulatur beim Transport des Blutes. Da diese “Pumpunterstützung” wegfällt, muss man es dem Kreislauf dadurch erleichtern, dass man den zu überwindenden Höhenunterschied zwischen Bein und Herz reduziert.

Um das Risiko einer Thrombose zu senken, wird bei Weber B Frakturen i.d.R. der Blutgerinnungshemmer Heparin verordnet. Man muss sich die Spritzen selbst setzen. Das ist aber super-einfach. Die Einwegspritzen werden einfach in eine Bauchfettfalte gejagt.

Nach der ersten Woche weicht dann auch mein Behandlungsverlauf vom Patientendurchschnitt ab. Meist wird nach einigen Tagen oder eine Woche operiert. Da meine Schwellung aber noch zu stark war, wurde ich erst nach zwei Wochen operiert. Ich schreibe das nur deshalb, damit sich niemand Sorgen machen muss, der länger auf seine Operation wartet. Das Warten kann – wenn es ärztlich empfohlen wird – durchaus Sinn machen.

Tipp: Nachdem man an den ersten Tagen meist von seinen Verwandten bemuttert wird, muss man irgendwann zumindest zu einer teilweisen Selbständigkeit zurückkehren. Und für Patienten mit einer Weber B Fraktur heißt das, trotz Krücken einfache Dinge zu erledigen. Besorgt euch einen Beutel zum Umhängen. Damit könnt ihr alle möglichen Dinge gefahrlos transportieren. Denn Auftreten und Belasten des gebrochenen Beines ist ja tabu. Für Kaffee und Getränke habe ich mir verschraubbare Barmixer bestellt. Die sind dicht und hitzebeständig.
Tipp zum Heparin-Spritzen: Wer Angst vor dem Pieks beim Spritzen hat, kann einen kleinen Trick anwenden. Die Haut ist nicht überall gleich empfindlich. Man kann einfach die Nadel kurz ansetzen und wenn man das sofort spürt, wählt man eine andere Stelle. Es gibt eigentlich immer Stellen, an denen man das Eindringen der dünnen Kanüle gar nicht spürt.

Die Operation – Osteosynthese

Nach zwei Wochen – in denen ich regelmäßig zur Begutachtung der Schwellung im Klinikum war – wurde ich operiert. Die Schwellung war allerdings noch immer nicht zurückgegangen. Mein Arzt meinte allerdings, dass jetzt operiert werden müsse, sonst würde der Bruch schief zusammenwachsen.

Die OP selbst lief – für mich – unspektakulär ab. Nach den üblichen Vorgesprächen und Laboruntersuchungen am Vortag wurde ich rasiert, mit einem schicken OP-Hemd eingekleidet und anschließend in Richtung OP gekarrt. Dort ging es durch die Schleuse. Mein Name und meine Erkrankung wurde mehrfach überprüft, der Zugang für das Narkosemittel gelegt.

Die Einleitung der Narkose war sehr angenehm. Ich bekam “Propofol”, was ziemlich angenehme Gefühle und eine gewisse Losgelöstheit vom eigenen Körper auslöst. Die Zeit der OP fehlte mir komplett – ich hatte das Gefühl zwischen Einschlafen und Aufwachen wären maximal 10 Sekunden vergangen.

Nach der Aufwachphase kam ich in mein Zimmer und konnte da noch ein bisschen vor mich hindösen. Ich hatte einen Schmerzmittel-Katheter, der direkt in mein Bein ging und die Schmerzen nach der Operation bekämpfen sollte.

Die erste Nacht nach der Operation

Die erste Nacht nach der Operation war nicht wirklich angenehm. Ich bekam ziemlich starke Schmerzen und musste nach der Schwester klingeln. Die versorgte mich mit einem Paracetamol-Tropf, der aber kaum wirkte.

Am Morgen kam dann der Stationsarzt und hatten den Verdacht, dass mein Schmerzmittel-Katheter rausgerutscht sei. Er rief eine Anästhesistin, die sich darum kümmern sollte. Die spritzte einfach eine heftige Ladung Schmerzmitteln ein, worauf das Bein quasi taub war. Das machte mich happy, weil schmerzfrei.

Leider kamen die Schmerzen gegen Abend wieder. Und da war er dann – der Engel in weiß. Eine Schwester reagierte auf mein schmerzverzerrtes Gesicht mit einer Spritze in den Bauch. Und yippi! Alles wurde gut! Die Schmerzen waren komplett weg. Auf Nachfrage erfuhr ich später, dass das “Zaubermittel” ein Morphium-Derivat war. Davon brauchte ich am Folgetag noch eine Dosis und dann war ich über den Berg. Die Schmerzen waren danach erträglich und ich konnte mich den wichtigen Dingen des Krankenhauslebens widmen: Fernsehen, Essen, Schlafen.

Tipp: Wenn ich heute zu einer Operation ins Krankenhaus muss, nutze ich das Vorgespräch mit dem Anästhesisten intensiv. Ich bespreche genau, welche Schmerzmittel auf die Medikationsliste gesetzt werden. Es hilft mir enorm, wenn ich weiß, dass man mich nicht mit meinem Schmerz allein lässt und dass bei Versagen eines leichteren Schmerzmittels immer noch eine “größere Keule” auf der Liste steht. Paracetamol, das bei mir generell eher schlecht wirkt, lasse ich streichen. Und ich habe gelernt: Schmerz sollte frühzeitig bekämpft werden. Ich bin damals der Versuchung erlegen, “stark” bleiben zu wollen und habe erst nach der Schwester geklingelt, als der Schmerz schon unerträglich war und ich ein paar Stunden gelitten hatte. Es gibt keinen Heldenbonus fürs Leiden.

Die erste Woche nach der Operation

… hier geht es bald weiter:

erste Arztvisite | Physio | Drainage ziehen
sechs Wochen Heilungsphase | zuhause | Klinikum | Physio
Stellschrauben-OP | erste Schritte
bis zum normalen Gang
Materialentfernung

Heute & Horrorstories

Ich bin heute – zwei Jahre nach meiner Weber-B-Fraktur – völlig gesund, treibe wieder Sport und meistere meinen Alltag ohne jegliche, körperliche Einschränkung.

Während meiner Behandlung habe ich viel im Netz gelesen. Ich kenne daher die ganzen Horrorstories, die in einschlägigen Foren zu finden sein. Brüche, die nicht zusammenwachsen, Scheingelenke, Infektionen, chronische Schmerzen – das alles gibt es bestimmt.

Aber das sind Einzelfälle! Die allermeisten Weber B Patienten werden nur noch von ihrer OP-Narbe an diese Verletzung erinnert. Dadurch, dass ich im Netz über meine Behandlung in verschiedenen Blogs berichtet habe, stehe ich mich vielen Patienten in Kontakt, die allesamt vollkommen genesen sind.

Zu jeder Heilung gehört auch der positive Glaube des Patienten und sein Wille an der Genesung mitzuarbeiten. Wer dem Rat seiner hoffentlich kompetenten Ärzte folgt und bei der anschließenden Physiotherapie fleißig mitarbeitet, wird in der Regel schneller genesen als der Patientendurchschnitt.